Herbst in der kaltgemäßigten Zone

1.

Während der Finnlandreise zuhause vergessen: Ein realistischer Maßstab für Dinge und Orte, die Menschen kennen könnten oder auch nicht. In Mustarinda, wo ich im September zu den Artists in Residence gehöre, sage ich nicht: „I am from Germany.“ Ich sage: „I am a writer and I live in Kiel.“ Niemand von meinen temporären Mitbewohner*innen hat jemals etwas von der Stadt gehört, in der ich lebe, außer der Malerin aus Helsinki, deren Partner zufällig auch aus Kiel kommt. Eine andere Finnin fragt mich, wie groß Kiel ist. „Half the size of Helsinki“, schätze ich. Helsinki hat etwas über eine halbe Million Einwohner*innen und eine Metro mit roten Plastiksitzen. Was ich auch lerne: In Finnland leben genauso viele Menschen wie in Dänemark. Auf die Region Kainuu umgerechnet bedeutet das: Ich begegne auf 16 Tage verteilt insgesamt 8 Menschen zufällig im Wald.

2.

Das ist ja ziemlich nah an Russland, sagen einige Leute, denen ich von meinen Reiseplänen für den Herbst erzähle und lassen durchblicken, dass sie diesem Umstand einiges Gefahrenpotenzial beimessen. Als ich hundefreundliche Orte zwischen Helsinki und Hyrynsalmi recherchiere, lerne ich, dass die Wölfe in Finnlands Osten gelegentlich mit Hunden aneinandergeraten, was für die Hunde meist nicht gut ausgeht. Viele Leute in den etwas dünner besiedelten Gebieten Finnlands haben Hunde, denen man die Verwandtschaft mit Wölfen noch ansieht. Spitze Ohren, dichtes Fell, Nässe und Kälte sind ihnen völlig egal. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mein dünn befellter, schlappohriger Hund und ich als Snack für finnische Wölfe enden?

Aus dem Fenster meines finnischen Schreibzimmers glaube ich einen Wolf zu sehen, der sich auf den zweiten Blick als schwarz-weißer, herrenloser Husky mit Peilsender herausstellt. Im Wald treffe ich einen schwarzen Wolfsspitz in gelber Sicherheitsweste, der sich von seiner Pilze sammelnden Besitzerin abgeseilt hat. Ansonsten keine Wölfe und auch keine Bären. Nur ein Mann in hohen Gummistiefeln, der einen Eimer bei sich trägt, auf russisch, polnisch oder ukrainisch telefoniert und danach wieder im Dickicht verschwindet.

3.

Die nächste Straßenlaterne ist von Mustarinda vermutlich genauso weit entfernt wie das nächste Dorf mit Supermarkt: Etwa 25 Kilometer. Auf der letzten Hunderunde vor dem Zubettgehen, die in den allermeisten Fällen nach Einbruch der Dunkelheit stattfindet, höre ich mein Blut in den Ohren rauschen, jedes Knistern im Gebüsch eine neue Portion Adrenalin für die Nervenbahnen. Als sich in der einzigen wolkenlosen Nacht etwas seltsames Grünes am Horizont zusammenbraut, falle ich vor Schreck nur deshalb nicht in Ohnmacht, weil mir rechtzeitig auffällt, dass das Polarlichter sein müssen.

4.

Die Luft zwischen den Fichten riecht schon am 4. September nach Schnee. Ich bekomme akute Sehnsucht nach Winter und versuche mir die 1,40 Meter hohe Schneedecke vorzustellen, die laut einer Infotafel im April 2020 den Boden hier bedeckt habe. Nyskä, mit der wir eine Tour durch den 10.000 Jahre alten Wald hinter dem Haus machen, erzählt uns, dass viele Kiefern und Fichten diese Schneedecke seit ein paar Jahren nicht mehr tragen können und ihnen deshalb scharenweise die Kronen abknicken. Es liegt am Klimawandel, sagt sie, und dass ihr das Sorgen bereitet.

5.

In Mustarinda bin ich die einzige Person, die keine richtige Funktionskleidung dabei hat. Nach einem längeren Spaziergang durch nasse Blaubeersträucher brauchen meine Dr. Martens fünf Tage, bis sie wieder richtig trocken sind (obwohl sie mit Zeitung ausgestopft auf der Heizung liegen). Ich kann nicht sagen, ob ich grundsätzlich zu naiv oder zu eitel bin, um meine Kleidung an Umwelt und Wetterlage anzupassen. Glücklicherweise gibt es eine große Auswahl an Leihgummistiefeln, dank derer ich die übrige Zeit in Finnland trockenen Fußes durch den Wald komme. Seit ich als Teenager Fräulein Smillas Gespür für Schnee gelesen habe, sehne ich mich nach der ruhigen Kälte borealer Landschaften. Auf dem Breitengrad meiner Träume muss ich nun feststellen, dass ich für ein Leben außerhalb mittelgroßer Städte in gemäßigten Klimazonen nur bedingt geeignet bin.

Trotzdem laufe ich jeden Tag stundenlang wie im Rausch durch den Wald: Auf den Steinen wachsen immer mehr extraterrestrisch anmutende Moosarten, sogar die Blätter der Bodendecker färben sich rot, tote Bäume verwandeln sich in Waldgeister, die über meine endlosen Streifzüge durch den Wald wachen. Ich vergesse die Zeit, verliere mich im Farn und finde trotzdem immer wieder zurück nach Hause.

6.

Als am Abend des 29. Septembers der erste Schnee in Mustarinda fällt, bin ich schon längst nicht mehr vor Ort. Ich trete meine Heimreise am 19. September an, zehn Tage früher als ursprünglich geplant, weil ich das Luxusproblem habe, am 22. September einen Kunstpreis zu bekommen, den ich besser persönlich abholen sollte. Wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist und zwischendurch noch die eine oder andere Hunderunde einplanen muss, dauert es zwei bis drei Tage, die knapp 2000 Kilometer zwischen Mustarinda und Kiel zurückzulegen. Knapp 30 Stunden der Reisezeit verbringe ich auf der Fähre von Helsinki nach Travemünde. Die meiste Zeit davon liege ich auf dem Bett in meiner Kabine, von der Ostsee sanft in einen leichten Dämmerschlaf geschaukelt, schaue abwechselnd finnisches und deutsches Fernsehen, ungefähr zehn Folgen Pawn Stars und später hauptsächlich Nachrichten, als mir auf diversen Kanälen immer wieder ein und dasselbe Bild von Putin begegnet: Der Blick in die Kamera gerichtet, ein Arm flach auf dem Tisch, einer aufgestützt und angewinkelt, als würde er gleich durch den Bildschirm springen wollen. Die finnischen Untertitel seiner Fernsehansprache sagen mir selbstredend nichts. Erst im ARD Morgenmagazin lerne ich den merkwürdigen Begriff „Teilmobilisierung“. Die allzu vielen Buchstaben des finnischen Äquivalents finden gar nicht erst den Weg durch meine Stirnfalten.

7.

Auf dem Parkplatz vor dem Fährterminal in Travemünde sieht es am 21. September gegen 22 Uhr genauso aus wie vor drei Wochen um dieselbe Zeit: Trotz Straßenlaternen ziemlich dunkel. Nur das Pärchen mit dem Galgo, das auf der Hinfahrt noch vor dem Terminal gewartet hat, fehlt heute. M. holt mich ab und parkt sogar auf demselben Parkplatz wie bei meiner Abreise. Ich frage mich, ob ich eigentlich noch dieselbe Person bin, die hier vor drei Wochen abgegeben wurde.

24 Stunden später habe ich zwar noch keine Antwort auf diese Frage, aber ein neues Attribut: Laut Ministerpräsident Daniel Günther sind die Kunstpreisträgerin Dörte Hansen und ich mit unserer jeweiligen Arbeit „wichtige Botschafterinnen“ des Landes Schleswig-Holstein. Mir ist etwas mulmig ob der Verantwortung, die hier mitschwingt, bin ich dafür überhaupt qualifiziert? Ich schreibe eigentlich nur in Limbus über Schleswig-Holstein (und selbst da sind es nur Neumünster und umliegenden Bahnstrecken) und ansonsten nur hier und da über Kiel, bin nicht hier aufgewachsen, verstehe kein Platt, habe nicht einmal ein Ankertattoo. Es ist wenig überraschend, dass es um das Ereignis Kunstpreisverleihung SH herum allgemein sehr viel heimatet. Während der Veranstaltung dauert es nicht lange, bis in einem Redebeitrag der Begriff „Heimatroman“ fällt und eigentlich die Romane von Dörte Hansen gemeint sind, aber weil es theoretisch passen könnte, wird Das Orakel von Bad Meisenfeld direkt unter unserem scheinbar gemeinsamen Thema subsummiert. Zumindest glaube ich das zu verstehen (oder verstanden zu haben, schließlich liegen das Ereignis und der Entstehungszeitraum dieses Textes recht weit auseinander). Im Vorfeld der Preisverleihung gibt es außerdem einen Artikel in den Kieler Nachrichten, indem ein Zitat von mir steht, das ich so nie abgegeben habe: „Es ist schön, von der Heimat geehrt zu werden.“ „Hast du das wirklich so gesagt?“, fragt J. entsetzt, nachdem sie den Artikel gelesen hat. Ich denke an das Zoom-Interview mit der netten KN-Kulturredakteurin, das ich noch von Finnland aus gegeben habe und krame in meinen Erinnerungen danach, ob ich dabei wirklich das H-Wort benutzt haben könnte. Was mir dieser Preis bedeuten würde, an die Frage kann ich mich noch genau erinnern, und auch, wie ich bei der Antwort deutlich zu weit ausgeholt habe: Dass ich zum Studieren unbedingt nach Schleswig-Holstein wollte, weil ich mir vorgestellt habe, dass neblige Strandspaziergänge und anschließend etwas schreiben perspektivisch ein stabiler Lebensentwurf für mich sein könnte (was ich verschwiegen habe: dass ich eigentlich nach einem Weg gesucht habe, mein Leben in einem Turbostaat-Album zu verbringen), und dass es mich sehr freut, so eine Auszeichnung von dem Zuhause zu bekommen, das ich mir selbst ausgesucht habe. Ich kann es der Redakteurin gar nicht verübeln, dass sie meine vermutlich etwas konfusen Ausführungen eben lokalzeitungstauglich zusammenkürzen musste. Tatsächlich finde ich, dass es sich in Schleswig-Holstein / Kiel sehr gut lebt, wahrscheinlich würde ich eher auswandern, als mich jemals in einer anderen Region in Deutschland niederzulassen, aber das H-Wort können reaktionäre Wirrköpfe wie Horst Seehofer gern bei ihren Gartenzwergen behalten. Immerhin fällt mir bei der Preisverleihung die korrekte Antwort auf die Frage aus dem Interview ein: Ich fühle mich sehr gut gefördert und bin dafür ganz aufrichtig dankbar. (Die KN machen daraus: „Ich fühle mich sehr gut gefeiert“ – spreche ich wirklich so undeutlich?)

8.

Am Abend des 29. September bekomme ich nicht nur das erste Schneefoto aus Mustarinda, sondern lese auch davon, dass Finnland am darauffolgenden Tag die Grenze nach Russland schließen wird, wegen Putins Teilmobilisierung und der Reservisten, die nun versuchen, das Land zu verlassen. Ich liege in einem Ferienhaus in Dänemark auf dem Sofa und schaue bei Google Maps nach, wie weit ich bis vor zehn Tagen noch von der russischen Grenze entfernt war. Nur etwa knapp 100 Kilometer, das ist wirklich nicht weit weg. Außerdem gibt es mehrere Gaslecks in der Nordstream 1 an der schwedischen Küste. In einem Artikel dazu finde ich eine Karte, auf der der Verlauf der Gaspipeline verzeichnet ist. Er deckt sich ziemlich genau mit der Route, die ich in der vergangenen Woche noch mit der Fähre gefahren bin, durch den finnischen Meerbusen vorbei an Gotland, Öland und Bornholm. Auf meinem Handy ist noch ein Foto von diesem Streckenverlauf, der hin und wieder auf dem Werbe- und Infokanal vom Finnlines-Starclub eingeblendet wurde und den ich von dem Fernseher in meiner Kabine abfotografiert habe. Ich denke darüber nach, wie es gewesen wäre, wäre ich wie geplant erst um diese Zeit wieder abgereist, wären die Züge voller gewesen, hätte die Fähre überhaupt auslaufen dürfen? Ich stelle auch fest, dass Abgeschiedenheit eine fluide Angelegenheit ist; egal wie weit der nächste Supermarkt entfernt ist, das Zeitgeschehen rückt trotzdem manchmal näher als erwartet, und ich habe es nun doch verpasst wegen anderer Termine. Ob das gut oder schlecht ist, kann ich nicht sagen. Ich verfolge es weiter durch mein Smartphone, höre den Regen auf dem Dach der Ferienhütte, sehne mich nach Schnee.

Blätter im Sinkflug

1.

Der September ist ein Sitzmonat: Ich sitze in der Regionalbahn, am Schreibtisch, auf mehrheitlich kleinen Bühnen und außerdem in der Klemme wegen eines Vortrags, den zu schreiben und vorzutragen ich mich in keiner Weise qualifiziert fühle (was recht offensichtlicher Quatsch ist, schließlich war es auch kein Problem, das Exposé dafür zu schreiben). Ich will mich auf das konzentrieren, was ich zu tun habe. Lesungen vorbereiten, Lesungen durchziehen (es sind eigentlich nur vier und einmal Lesebühne als showrunner, wie ich mich dort gerne bezeichne, aber nach einer derart langen Periode der Veranstaltungslosigkeit kommt mir alles, was mehr als einmal hintereinander passieren soll, wie eine Welttournee vor), Vortrag schreiben, vielleicht noch DAS PROJEKT weiterschreiben (passiert natürlich nicht), um das es u.a. in besagtem Vortrag gehen soll (gibt es DAS PROJEKT überhaupt wirklich oder habe ich es am Ende gar nur für DEN VORTRAG erfunden?), dazwischen Hunderunden und Lohnarbeit. Das Alternativprogramm wäre: Wahlkampf verfolgen. Bis zum 4. September fiebere ich dem Release der Wahl-o-Mat-Edition für die Bundestagswahlen entgegen, um dort ungefähr dasselbe Ergebnis einzufahren wie immer und am 6. September meine Briefwahlunterlagen einzuwerfen. Es ist ein guter Monat, um das Internet weitestgehend abzuschalten. Trotzdem beobachte ich ab und zu Armin Laschets selbstgerechten, hinterlistigen, dilettantischen Versuch, sich auf die rheinländische Onkeltour ins Kanzleramt zu wieseln (gottseidank erfolglos). Ich denke dabei an einen Sattelschlepper, der in eine Sackgasse ohne Wendemöglichkeit gefahren ist und bei seinem hakeligen Rückzugsmanöver versucht so zu tun, als hätte er da eh nur kurz reinschauen wollen. Das Wahlwochenende verbringe ich damit, zwischen den Hunderunden auf das Textdokument mit dem Vortrag zu starren und es zwischen 20 Uhr und 22:30 Uhr um ein paar Zeilen zu ergänzen. Als ich am Montag darauf, an dem ich eigentlich frei hätte, überraschend meiner Lohnarbeit nachgehen muss, bekomme ich einen Heulkrampf. Nachts liege ich wach, weil meine Knie schmerzen.

2.

Ich komme mir unheimlich schlau vor, als ich in das Textdokument mit meinem Vortrag die Behauptung tippe, dass die Klimakrise jetzt schon Teil unseres alltäglichen Erlebens ist und zwar in Form von Extremwetterereignissen direkt vor unserer Haustür (Starkregen, Gewitter, Überschwemmungen, sehr trockene Sommer) UND im Social Media-Feed, der ja auch zur erlebten Welt gehört, und dass alle der genannten Dinge deswegen als Wirklichkeitseffekt in einer Erzählung (angeblich auch in DEM PROJEKT) eingesetzt werden können. Als ich ein paar Tage später zwecks Lesebühnendurchführung zur Hansa48 radele, regnet es ärgerlich und ich frage mich, wie es sein kann, dass ich obenrum eine wasserdichte Funktionsjacke trage, es an den Füßen aber nur für löchrige Stoffschuhe gereicht hat. Um 17:35 Uhr stelle ich mein Fahrrad vor dem Eingang ab und wir beginnen, die Bühne aufzubauen. Ab 19 Uhr drängeln sich die Mitteilungen auf meinem Handydisplay: Ob es mir gut gehe, ob ich in Sicherheit sei, es habe doch diesen Tornado an der Kiellinie gegeben. Ich bejahe und beruhige und bin gleichzeitig verwirrt. Der Raum, in dem ich seit fast zwei Stunden herumwerkele, hat keine Fenster, und selbst im Innenhof der Hansa48 müsste ich mir den Nacken verrenken, um einen guten Überblick über die Wetterverhältnisse zu bekommen. Die Regentropfen auf meinen Schuhen sind längst getrocknet, aber ein kurzer Blick auf Instagram verrät, dass zwei Kilometer Luftlinie von hier tatsächlich eine Art Tornado durch die Innenstadt und durch die Förde gefegt sein muss. Was mache ich nun mit dieser Information? Ich bin völlig ratlos und überprüfe besser noch einmal die Einstellungen am Lichtmischpult.

3.

Am letzten Tag im September starte ich meine erste lange Zugreise seit dem ersten Lockdown. Die Kronen der Bäume, die sich südlich von Kiel zwischen Feldern und Dörfern gruppieren, tragen nur vereinzelt rostige Herbsttöne. In dem ICE, in den ich in Hamburg steige, wundere ich mich über eine Frau, die Langlaufski in der Gepäckablage verstaut. Andererseits: So weit sind die Alpen von meinem Reiseziel nicht entfernt. Wer weiß, was sich dort schon im September mit Langlaufski alles ausrichten lässt.
In die Tagung, zu der ich hier anreise, platze ich verspätet. „Schade, du hast gerade einen ganz kontroversen Vortrag verpasst“, bedauert einer der Gastgeber, während er mich durch die Einlasskontrolle der Tagungslocation schleust. „Dass du hier einfach so etwas über Marxismus in den Raum stellst!“, entrüstet sich ein älterer Tagungsgast in der Diskussion, den ich nicht sehen kann, weil er irgendwo hinter mir sitzt. Den Referenten scheinen diese Anschuldigungen kalt zu lassen. Die Großbuchstaben auf dem Deckblatt seines Manuskripts sagen: WASCH MIR DAS FELL, ABER MACH MICH NICHT NASS. Ein anderer älterer Tagungsteilnehmer erzählt: „Ich hatte früher auch ein ganz schlimmes Problem mit den Grünen. Ich mochte nicht, was sie anhatten und auch nicht, was für Lieder sie gesungen haben. Aber was sollte ich auch machen. Ich war in einer Wave-Band.“ Den Versuch, anhand der Diskussionsbeiträge herauszufinden, worum genau es in dem verpassten Vortrag ging, gebe ich schnell wieder auf. Stattdessen die Befürchtung: Werden sie mich morgen früh nach meinem Vortrag genauso grillen? Der Satz: „Dass du dich hier schon seit Jahren immer so als Anarchist profilieren musst. Ich war früher auch so, aber ich habe mich da ja weiterentwickelt“ fällt zum Glück erst Stunden nach meinem Beitrag und gilt nicht mir. „Das Schlimmste, was dir hier passieren kann, wäre dass keiner auf deinen Vortrag reagiert!“, sagt J., als wir am 1. Oktober durch die Fürther Innenstadt zum ersten Tagungsblock spazieren. Es ist überraschend kalt, wie auch schon in der vorausgegangenen Nacht, und ich trage beinahe alle Klamotten, die ich dabei habe, auf einmal. Ich hätte den Tornado noch einbauen müssen, denke ich, hätte ich bloß Zeit dazu gehabt, wäre ich im Zug nicht so müde gewesen, wären ab Mittwoch bloß noch zwei oder drei Tage mehr Zeit zur Vorbereitung gewesen. Nach meinem Vortrag fragt mich ein unironischer Österreicher zu einer Überlegung, die ich mir aus meinem Halbwissen über Silvia Federicis marxistische/feministische Positionen und die Dialektik der Aufklärung zusammengeschustert habe, ob er das so verstehen müsse, dass ich quasi zurück in die Steinzeit (also eine voraufklärerische Zeit) wolle. Nein, aber ich finde es lustig, wie viel Unbehagen eine geringe Dosis Ökofeminismus selbst bei linken Männern verursachen kann und stifte generell gern Unruhe!, hätte ich antworten müssen. Stattdessen sage ich: Irgendwas anderes. Der halbe Liter Weinschorle, die mir ein unfassbar gestresster Kellner am Abend hinstellt, gerät im Expressversand in meine Blutbahn. Als Abspannmusik für diesen Tag laufen Oasis und der Tagungsteilnehmer, der einmal in einer Wave-Band war und die Grünen nicht gemocht hat, singt den Refrain von Don’t Look Back In Anger – allerdings nie dann, wenn er im Song an der Reihe wäre und auch dann noch, als er längst vorbei ist.

Vögel fallen tot vom Himmel wegen Diktatur III

Vielleicht ist es ein etwas bedenklicher Ansatz zum (Online-)Tagebuch schreiben, vor allem dann einen Eintrag zu verfassen, wenn ich gleich morgens einem toten Vogel begegne, aber vielleicht habe ich das auch einfach nicht auf der Hand. Es ist neuerdings warm. Zum ersten Mal in diesem Jahr bin ich morgens ohne Jacke draußen. Ich fühle mich so leicht, dass ich ernsthaft in Erwägung ziehe, mit der schwedisch sprechenden Familie, die wir fast jeden Morgen belauschen und dessen jüngster Spross dem Hund jedes Mal das fürchten lehrt (immer ruft er PANTHER und kommt bedrohlich mit seinem Laufrad auf uns zugerollt), Smalltalk auf Schwedisch anzufangen (natürlich wird diese Situation niemals eintreffen). Wir sind ein paar Minuten später als sonst, die frühe Hundeflut hat sich bereits zurückgezogen. Sonnenstrahlen reflektieren auf jeder sich anbietenden Fläche. Wir blinzeln uns den Weg durch den Park. Einige Meter von dem Sandweg, über den wir schlurfen, fällt mir eine Anhäufung weißer Daunen auf, die der Wind bereits großzügig auf dem Rasen verteilt hat. Ich bin erleichtert, dass der Hund gerade eine andere Spur verfolgt, denn sie scheinen zu einer toten Taube zu gehören, die rücklings im Gras liegt. BITTE LESEN SIE HIER KEINERLEI BEDEUTUNG REIN, denke ich, es ist doch nur eine tote Taube.

Als wir den Park wieder verlassen, finden wir auf der großen Kreuzung ein heilloses Verkehrschaos wieder. Die Ampeln sind ausgefallen, stelle ich verwundert fest. Habe ich hier nicht vor ein paar Minuten noch ordnungsgemäß an einer roten Ampel gewartet? Die Ursache des Chaos ist schnell ausgemacht: Eine der Ampeln liegt abgeknickt auf dem Bürgersteig. Daneben steht das Auto einer Sicherheitsfirma, das allerdings zu intakt aussieht, als dass es sich hier um das Fahrzeug handeln könnte, das gerade eine Ampel auf die Bretter geschickt hat. Ich schaffe es gerade so, heil mit dem Hund über die Straße zu kommen. Die Kreuzung bleibt für den Rest des Tages chaotisch, obwohl schon am späten Nachmittag eine neue Ampel geliefert wird.

Vögel fallen tot vom Himmel wegen Diktatur II

Neue Morgenroutine: Bei der ersten Hunderunde die Umgebung nach bösen Omen (ist das der Plural?) absuchen, die sich in letzter Zeit häufen (dank dringend benötigten Antiallergikums bin ich des Nachts so tief im Schlaf versunken, dass es zwischen der Matratze und mir keinen Platz für Albträume gibt). Gestern war es einer der grauen Blumenkübel, für die die Stadt Kiel angeblich einen Preis bekommen haben soll und die so massiv sind, dass sie von Menschenhand nicht einfach so umgestürzt werden können. Der Erdhaufen neben ihm behauptete jedoch das Gegenteil. Jemand musste ihn umgeworfen haben (oder vielleicht sogar: etwas?). Ein finster dreinblickender Gärtner mit Glatze und Tätowierung am Hals schaufelte die Erde zurück in den Kasten und versuchte auch, die ramponierten Stiefmütterchen zu retten (es gelang ihm einigermaßen). Heute früh beobachtete ich das Pfotengemenge einiger sehr kleiner Hunde, deren Kläffen auf nichts anderes als Blutdurst schließen lässt. „LULU!“, brüllt eine Frau, als ein kleiner schwarzer Spitz aus dem Gebüsch hervorschnellt und drei Kontrahenten aus seiner Gewichtsklasse aufmischt. Ich beschließe, die übliche Route zu ändern, also drehen wir um und machen einen Schlenker über einen der Stege am Schreventeich. Den Hund gruselt es vor einer Joggerin, die auf einer Bank Dehnübungen macht. Den schlimmsten Schauer jagt mir aber eigentlich immer noch das morgendliche böse Omen vom Dienstag über den Rücken: Schon das zweite tote Vogelküken innerhalb kurzer Zeit, das aus der Hecke vor dem Haus gefallen sein muss. Diesmal war der Hund schneller, die Nase einmal kurz und heftig im Gebüsch vergraben und es mir dann direkt vor die Füße gespuckt. Ich war heilfroh, ihn um diesen Akt nicht erst bitten zu müssen. Es gab eine Notbestattung, für die ich mich seither schäme (eigentlich hätte ich den Vogel ordnungsgemäß im Garten vergraben müssen, aber es musste schnell gehen). Trotz der dunklen Vorzeichen sind mir heute immerhin Corona-Leugner*innen auf Fahrrädern (sie haben für heute eine Fahrraddemo angemeldet und versucht, sich als Critical Mass auszugeben. Die kritische Masse hat den Plan allerdings längst durchschaut) erspart geblieben. Stattdessen ist nun planlose, opportunistische Biedermeier wie Jan Josef Liefers der erste „Staatsfeind“, dessen Arbeitsvertrag trotz seines angeblichen Dissidententums verlängert wird. Statt der richtigen Worte für diese erratischen Zeiten finde ich also nur noch tote Vögel auf der Straße. Wie soll das alles enden?

Vögel fallen tot vom Himmel wegen Diktatur

Eine neue Entwicklung: Keine Albträume mehr, dafür neuerdings jeden Morgen ein anderes Detail, das sich mit genügend Interpretationswillen als böses Omen einordnen ließe. Gestern war es ein Militärhubschrauber, der über dem Schrevenpark kreiste, als würde dort ein Remake von Apocalypse Now gedreht. Ich hörte schon den Ritt der Walküren vor meinem geistigen Ohr und fragte mich, ob das die nächste Eskalationsstufe ist. Nur wovon genau? Heute früh ist es ein nacktes, totes Vogelküken, das am Fuß der Hecke vor dem Hauseingang liegt. Ich würde es gern angemessen begraben, kann aber mit dem Hund an der Leine nichts ausrichten. Besser wäre es, wenn er das tote Küken gar nicht erst bemerkt. Ich bin erleichtert, als es bei unserer nächsten Hunderunde nicht mehr an diesem Platz liegt.

Diese Hunderunde habe ich in kluger Voraussicht so gelegt, dass wir während der Corona-Clowns-Demo, deren Abschlusskundgebung auf dem Professor-Peters-Platz stattfinden soll (also quasi in meinem Vorgarten), nicht zuhause sind. Leider geht dieser Plan nicht auf. Auf dem Westring stauen sich die Polizeiautos, es sind Stimmen durch einen Lautsprecher zu hören. Immerhin kann ich sehen, dass viele Leute bei der Gegendemo sind, alle mit Masken und ausreichend Abstand, kurzes Aufatmen, bis ich sehe, wie sich zwei von den selbsternannten Querdenker*innen sich ohne Masken auf dem Grünstreifen vor meinem Fenster innig umarmen (mir wird ein wenig schlecht), wie irgendwie ökig aussehende Mittfünfziger einhellig neben offensichtlichen Nazis herlatschen, alle dicht an dicht, Plakate, die entweder irgendwas mit Liebe und Angst beschwören oder sich auf irgendein Denken berufen, oder noch schlimmer: irgendwas von TOTALER HYGIENE faseln (Falls das irgendwer von euch Trotteln lesen sollte: Tut euch Hände waschen wirklich so sehr weh?). Eine blonde Frau trägt eine rastafarimäßige Häkelmütze in Deutschlandfarben und haut im Gehen auf eine Trommel und ich denke, dass eigentlich allein ihr Anblick gereicht hätte, um eine Idee zu bekommen, wie sich diese unsägliche Interessengemeinschaft zusammensetzt. Die Demo soll laut Twitter eigentlich schon längst aufgelöst sein, weil sich hier ganz offensichtlich niemand an die Hygieneauflagen hält. Trotzdem ziehen sie fast alle in dieselbe Richtung den Westring herunter, mit selbstgefälligen, feisten Gesichtern, sie schaffen es nicht einmal, Abstand zu den bedauernswerten zwei Menschen zu halten, die bei der Eisdiele gegenüber ein Eis gekauft haben und sich nun so nah wie möglich an die Wand zu drücken versuchen. Mir fallen schließlich drei Schwurbler*innen auf, die sich angeregt über etwas zu unterhalten scheinen, das an der Bushaltestelle vor meiner Tür auf dem Boden liegt. Eine von ihnen macht sogar ein Foto. Als sie weg sind, meine ich zu erkennen, dass es sich dabei um das tote Vogelküken von heute morgen handelt. VÖGEL FALLEN TOT VOM HIMMEL (vielleicht aber auch nur: VÖGEL FALLEN TOT VOM BAUM), fällt mir ein, diesen Satz habe ich einmal auf einem alarmistischen Plakat über die angeblichen Gefahren von 5G gelesen (dabei wird das Küken keinen Meter geflogen sein außer eben auf den Boden, erst recht nicht am Himmel). Wahrscheinlich wandert das bedauernswerte Wesen nun einmal durch alle einschlägigen Telegram-Gruppen. Ich wünsche allen Menschen, die in diese Demo involviert waren, die Pest an den Hals. Auf der nächsten Hunderunde muss ich Sticker abkratzen. Zuhause wasche ich mir ausgiebig die Hände und denke an den toten Vogel, den ich damit nicht angefasst habe. Welches böse Omen sich wohl morgen früh zeigt. Ich kann es fast gar nicht erwarten.

Albträume / Brückenlockdown / Regen / Hagel / Schnee

Einen Traum gehabt, der sich am ehesten wohl als Albtraum aus dem digitalen Zeitalter einordnen lässt: Ich bin schwanger und stehe so kurz vor der Geburt, dass ich vorsorglich schon einmal ins Krankenhaus gefahren bin, obwohl die Wehen noch gar nicht eingesetzt haben. Während ich mit zwei (mir aus dem RL nicht bekannten) Kumpels im Patientinnenzimmer darauf warte, dass irgendwas passiert, fällt mir ein, dass ich während der ganzen Schwangerschaft nie beim Ultraschall war. Ich habe also vergessen, das Baby freischalten zu lassen. Das erklärt natürlich einiges!

Mein Urlaub in dieser Woche fühlt sich kaum anders an als mein pandemisch geschrumpfter Arbeitsalltag. Die wenigen Aufgaben, die ich im Kurzarbeits-Home-Office erledige, fühlen sich an wie Wäsche aufhängen oder die Spülmaschine ausräumen. Ein wenig lästig, aber beiläufig, mit Deutschlandfunk nebenher. Irgendwo ganz weit weg von mir wird über einen Brückenlockdown oder das Vorziehen der nächsten MPK oder einen kurzen harten Lockdown und die weitere Einschränkung der Freizeitaktivitäten diskutiert und ich denke: Selten sind einer verantwortlichen Gruppe von Menschen bei dem Versuch, eine bestimmte Sache auf Teufel komm raus zu vermeiden (lies: einfach mal alle nicht-essentiellen Arbeitsstätten dichtmachen und die Leute bei vollem Lohnausgleich zuhause lassen, auch wenn dann die Wirtschaft weint), so brachial die Ideen ausgegangen wie der Regierung jetzt gerade.

Es schneit, regnet und hagelt seit drei Tagen nach einem undurchschaubaren Muster. Der Sonnenschein dazwischen kann nichts anderes sein als ein klug ausgelegter Köder. Es ist April, ich werde in 11 Tagen 32 Jahre alt sein. Ich habe einige graue Haare und seit 12 Jahren Albträume von Schwangerschaften.

Die Spionin aus dem Erdgeschoss

Albträume, zur Zeit fast jede Nacht. In dieser Nacht werde ich Zeugin eines Einbruchs, den das Herrchen von Flocke (Name geändert) aus meinem neuen Hunde-Bekanntenkreis vornimmt. Eine Nachbarin aus dem Erdgeschoss beobachtet, was ich beobachte, missinterpretiert mein Beobachten jedoch als Komplizinnenschaft (ist es das vielleicht auch?). Sie beginnt, meine Wohnung zu bespitzeln, ich sehe die Schatten der Pfoten ihres Schäferhunds (den sie in der Realität nicht besitzt, obwohl ein Sticker an ihrer Wohnungstür vor einem solchen Haustier warnt) den Lichtstrahl unter der Tür durchbrechen, vielleicht sogar seine Schnauze durch den Staub auf dem Boden schnüffeln. Die Nachbarin aus dem Erdgeschoss steht derweil mit einer Freundin, die sie in ihr Spitzelteam geholt hat, auf meinem Balkon. Ich sehe ihre missbilligenden Blicke durch den Schlitz des Vorhangs, den ich an der Balkontür angebracht habe.

Wahrscheinlich muss ich mehr auf meine Schlafumgebung achten. BERLIN ALEXANDERPLATZ steckt mir noch in den Knochen (ich sollte vermutlich dankbar sein, dass ich nicht von Albrecht Schuch geträumt habe), als mir das Corona-Update der Tagesschau auf Instagram die Verlängerung des Lockdowns voraussichtlich bis zum 18. April vorankündigt (die MPK wird dies allerdings erst später am Tag entscheiden). Noch im Bett liegend nehme ich alle ohnehin noch nicht ausgesprochenen Einladungen zu meinem zweiten Lockdown-Geburtstag wieder zurück. Gleich bringe ich den Computer, auf dem ich diese Zeilen hier schreibe, zur Reparatur. 3-5 Werktage ohne Gehirn liegen vor mir (dabei habe ich meine Daten natürlich vorbildlich gesichert). Vielleicht auch 3-5 Werktage ohne Albträume, aber dafür müsste vielleicht auch die Gegenwart 3-5 Werktage in einen richtigen Lockdown gehen (wenn es nur so einfach wäre).

Wichtige Schachteln, für immer verloren

Schon wieder ein Albtraum: Sie müssen mich noch einmal operieren, weil irgendwas nach meiner Bauchspiegelung im Sommer schief zusammengewachsen ist. Ich werde also in ein Krankenzimmer gelegt und bekomme mehrere Schachteln mit Medikamenten und OP-Kleidung, auf die ich gut aufpassen soll. Es klappt nicht. Während ich mich mit meiner Zimmergenossin unterhalte und aus dem Fenster unseres Zimmers schaue, verschwinden die Schachteln, weil mein Gepäck jetzt schon überall verteilt ist. Ein Pfleger kommt und will mich abholen, aber während ich noch nach den Schachteln suche, beschließt er, schon einmal vorzugehen. Ich irre über den Gang und suche ihn, natürlich ohne die wichtigen Schachteln, und ohne zu wissen, wann genau meine OP ist (irgendwann nach 18 Uhr) und auf welche Station ich dafür muss. Vielleicht muss ich sogar in eines der anderen Gebäude auf dem Krankenhausgelände, das sich als eine neue Stadt entpuppt, als ich aus dem Haupteingang trete. Ich verliere mich in ihren Straßen und weiß ganz sicher, dass ich den OP-Termin nicht einhalten können werde, ich habe zwar keine Uhr, aber die Sonne steht so tief über den Häusern, dass ich unmöglich rechtzeitig zurückfinden werde. Für immer schief zusammengewachsen von innen und, wenn man sich meinen Bauchnabel anschaut, auch von außen, ich werde mich damit abfinden müssen.

Eher Skulptur als Text

Gestern völlig unproduktiv gewesen, heute früh aus einem Albtraum erwacht: Wir machen eine Online-Lesung mit der Schnipsel-Redaktion und ich werde dazu aufgefordert, doch meinen Text vorzulesen, der „zwar eher eine Skulptur sei als eine Erzählung mit Handlung, aber doch recht unterhaltsam“. Ich habe den Text gar nicht zur Hand, vor allem nicht in der angeforderten Version. Von der Zeitschrift, in der er veröffentlicht wurde, haben alle nur die Poster-Ausgabe dabei, in der mein Text nicht enthalten ist (weil zu lang). Ich muss ihn umständlich aus meiner Dropbox hervorkramen und will wissen, ob sich das lohnt. „Wie viele Leute hören noch zu?“, frage ich. Es müssen schon mindestens 15 Minuten vergangen sein (manche Träume sind quälend lang). Nur fünf Leute sind noch eingeloggt. Ist diese Handvoll Menschen so dringend auf meinen Text angewiesen? Ich flüchte auf den Balkon, der fast doppelt so groß ist wie die Wohnung, aus der wir senden. Es gibt dort Kuchen, von dem ich nicht weiß, wie alt er ist, aber ich nehme trotzdem ein Stück. Ich wache auf mit dem Gefühl, eigentlich alle meine Texte noch einmal überarbeiten, alles einfach viel besser machen zu müssen und mit dem gleichzeitigen Wissen: Das wird heute nicht passieren.