Pflanzen pflanzen

Es ist erst der elfte Tag im Jahr und ich habe schon die zweite Runde Pflanzen umtopfen und Ableger einpflanzen hinter mir. An Neujahr war es nur so eine Übersprungshandlung, um meinen Kater zu vergessen und weil ich irgendwas machen wollte, was so ritualmäßig zu einem Neuanfang (jaja, ein Klischee, aber was soll man machen) passt und sich aber gleichzeitig nicht nach Hokuspokus anfühlt.* Außerdem sind den armen Pileas (Pileen? Pileae? Ufopflanzen.) schon die familiären Verpflichtungen über den Kopf gewachsen.

Aus einem Blatt, das ich beim Gießen versehentlich von meinem Gummibaum abgetrennt und dann auf der Erde im Blumentopf liegen lassen habe, ist zwischenzeitlich schon ein ganz winziger neuer Gummibaum geworden. Seit seinem Umzug in einen anderen Topf in der letzten Woche ist er schon einen halben Zentimeter gewachsen und hat zwei ganz winzige neue Blätter bekommen.

Was mich gleichzeitig mit Faszination und Unbehagen erfüllt, sind WURZELN. Am seltsamsten ist der Anblick der Wurzeln eines eingepflanzten Avocadokerns, der aus einem unverhältnismäßig kleinen Gefäß – nämlich einem 0,4-Liter-Bambus-Kaffeebecher – einen unverhältnismäßig großen Baum (aktuell knapp 60 cm hoch) sprießen lässt. Von der Erde, die ich im Sommer in den Becher geschaufelt habe, ist fast nichts mehr zu sehen. Stattdessen schlängelt sich weißes, dickes Wurzelwerk durch den Topf wie Albino-Regenwürmer. Den Bambusbecher habe ich aussortiert, nachdem ich bei Stiftung Warentest gelesen habe, wie viel Gift diese scheinbar umweltfreundlichen Kaffeebehälter abgeben, speziell wenn sie mit heißen, säurehaltigen Flüssigkeiten gefüllt werden. Mein Becher hat bei diesem Test mit einer 5,0 abgeschnitten. Ich weiß nicht, ob es lustig oder eher zynisch ist, dass seine Zweitkarriere ausgerechnet dem Beherbergen eines Avocadokerns gewidmet ist. Allerdings ist dieses Mahnmal für gescheiterte Lifestyle-Produkte ja nun auch Geschichte. Der Avocadobaum hat jetzt mehr Platz für seine Wurzeln und in dem biologisch abbaubaren Bambusbecher wohnt nun ein Peperomia-Steckling.

(Selbstverständlich handelt es sich bei diesem Herumgehühnere mit Pflanzenteilen wieder um eine dieser kleinen temporären Obsessionen. Es ist wieder diese Zyklusphase, in der das PMS-Scheusal plötzlich seinen Griff gelockert hat. Während ich gestern noch dachte, ich müsse sterben, bin ich heute morgen direkt nach dem Frühstück zum Baumarkt gelaufen und habe neue Blumenerde gekauft. Der komprimierte 25-Liter-Sack Universal-Blumenerde passt gerade so in meinen Rucksack.)

*Die Wahrheit ist: Ich habe meiner Mutter und meiner Schwester an den Weihnachtstagen sogar ein Ritual für die Rauhnächte angedreht, das mir fast sogar sinnvoll vorkam. Dabei schreibt man 13 Wünsche auf 13 Zettel und muss vom 25. Dezember bis zum 6. Januar jeden Abend einen dieser Zettel verbrennen. Um den Wunsch, der auf dem letzten übrigen Zettel noch steht, muss man sich selber kümmern. Leider habe ich ab dem 30. Dezember immer vergessen, diese Zettel zu verbrennen. Also sind es nun Pflanzen geworden.

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